Zum Inhalt springen

Warum heimische Pflanzen so wichtig sind!

  • von

Immer wieder hört man Menschen, die Neophyten (also nicht heimische Pflanzen) verteidigen mit den Worten „Aber da summt und brummt es!“, „da sind so viele Insekten dran“ oder „die Bienen lieben die Pflanze doch …“

Ja, das mag alles stimmen, aber schon bei der Aussage „viele Insekten“ muss man davon ausgehen, dass diese Mengenangaben sehr ungenau sind, für den einen sind 10 Bienen in der Stunde viel, der andere findet „viel“, wenn 3 Bienen gleichzeitig da sind.

Das Zweite ist, welche Insekten sind dann da? Oft sind es Honigbienen, die in großen Massen an Blüten mit viel Nektar und Pollen zu finden sind. Oder es sind Hummeln. Auch die gibt es zahlreich. Beiden, den Honigbienen und den Hummeln ist gemeinsam, dass sie alle Blüten anfliegen die Pollen und Nektar bieten. Ihnen ist es im Prinzip egal, was da für eine Pflanze ist. Daher ist auch an dem ebenfalls nicht heimischen Lavendel immer viel los.

Das Dritte ist, wenn ein Garten (und womöglich gilt Gleiches für die Nachbargärten), aus englischem Rasen mit Thujahecke besteht und in einem Kübel blühen ein paar Petunien, dann werden da natürlich (Honig)bienen und Hummeln zu finden sein, denn es gibt für sie ja nichts anderes. Setzt man neben die Petunien aber einen Topf mit Blutweiderich, werden sich die Masse der Insekten auf dem Blutweiderich tummeln und dazu noch weitere Insekten, die sich für die Petunien nicht interessiert haben.

Vorweg

Dies soll kein Beitrag sein, der Neophyten im Garten verteufelt. Er soll helfen zu verstehen, warum Insekten heimische Pflanzen brauchen und von ausschließlich Neophyten nicht überleben können. Er soll Verständnis dafür wecken, warum Neophyten durchaus von Insekten besucht werden, aber dennoch gerade den bedrohten Arten nicht helfen.
Natürlich steht es jedem frei, auch seine Petunien und Geranien zu pflanzen. Jeder, der etwas für die Insekten tun möchte, sollte aber darüber nachdenken, zusätzlich heimische Pfanzen zu pflanzen. Denn mit Petunien und Geranien überlebt kein Insekt!

Zurück zu den Hummeln und Honigbienen

Hummeln und Honigbienen ist gemeinsam, das sie polyelektisch sind, das heißt Sie sind nicht wählerisch bei der Wahl der Blüten, an denen sie Pollen und Nektar sammeln. Die nehmen einfach alles. Und genau deshalb sind sie auch nicht bedroht. Honigbienen schon mal gar nicht, denn das sind Nutztiere, wie Kühe und Schweine auch. Ausgenommen natürlich die echten, wilden Honigbienen oder auch entkommene Bienenvölker, die jetzt wild leben.

Aber Hummeln finden eben überall was zum Sammeln. Sie haben eher Probleme Nistmöglichkeiten als Nahrung finden.

Hummeln sind nicht wählerisch. Hier sammeln sie Pollen am Blutweiderich.
Hummeln sind nicht wählerisch. Hier sammeln sie Pollen am Blutweiderich.

Artensterben betrifft spezialisierte Insekten

Wenn von Artensterben und Insektensterben die Rede ist, sind damit in der Regel die spezialiesierten Insekten gemeint, die sogenannten oligolektischen Bienen und Wespen. Das sind solche Insekten die auf eine bestimmte Pflanzengattung oder eine spezielle Pflanze angewiesen sind, weil sie nur dort ihre Pollen oder Nektar sammeln.

Aber warum tun die das?

Die meisten spezialisierten Insekten sind auf eine bestimmte Pflanze oder Pflanzengattung angewiesen, weil ihr Pollen, Nektar oder Öl eine ganz spezielle Zusammensetzung hat, die erforderlich für deren Nachwuchs ist. Mit anderen Pollenarten entwickeln sich die Larven nicht und daher können keine neuen Bienen schlüpfen.

Diese Zusammenhänge haben sich über Jahrtausende zumindest über Jahrhunderte gemeinsamer Entwicklung von Pflanze und Insekt ergeben. Daher können die Insekten auch nicht einfach ne Petunie nehmen, wenn die Glockenblume gerade fehlt. Fehlen Glockenblumen großflächig in der Natur und den Gärten, sterben die von den Glockenblumen abhängigen Insekten aus! Es gibt für sie keine Alternative.

Heimische Pflanzen und heimische Insekten sind aufeinander angewiesen

Es ist aber nicht nur so, dass Insekten auf spezielle Pflanzen angewiesen sind, es gibt auch hochspezialisierte Pflanzen, die auf die Bestäubung durch genau eine Insektenart angewiesen sind, wie bspw. die Hummelragwurz. So haben sich Insekten und Pflanzen über lange Zeiten zusammen entwickelt. Wenn nur ein Partner fehlt, kann der andere nicht überleben.

Wenn jetzt also alle Menschen, nur noch Neophyten in die Gärten pflanzen, durch die industrielle Landwirtschaft die Lebensräume in der freien Natur fehlen, dann führt eines zum anderen. Die Pflanzen sterben und dann die Insekten, denen die Lebensgrundlage fehlt.

Ein naturnaher Garten, mit heimischen Pflanzen, kann daher Lebensräume schaffen und wird zunehmend wichtiger.

Erfolgsgeschichten

Wer seinen Garten mit heimischen Pflanzen bepflanzt, kann in relativ kurzer Zeit tolle Erfolge verbuchen. Das geht sogar, wenn man wie ich am Niederrhein wohnt, wo die Natur als solche kaum noch existent ist, weil nicht mal and en Feldwegen noch Blumen wie Schafgarbe oder Klee wachsen.

Glockenblumen und die Glockenblumen-Scherenbiene

Die Glockenblumen-Scherenbiene (Chelostoma rapunculi) ist eine auf Glockenblumen spezialierte Biene, die nicht nur dort ihren Pollen sammelt, sondern auch in den Blüten schläft. Daher lässt sich innerhalb der Flugzeit bei schlechterem Wetter und in den kühlen Abendstunden sehr gut in offenen Glockenblumenblüten beobachten.

Im allergrößen Notfall, soll sie wohl auch auf neophytische Glockenblumen gehen, aber die einheimischen werden eindeutig bevorzugt.

Glockenblumen-Sägehornbiene
Glockenblumen-Scherenbiene in einer pfirsichblättrigen Glockenblume

Die Glockenblumen-Scherenbiene brütet in vorhandenen Hohlräumen, wie Fraßgänge von Käfern im Totholz aber auch in künstlichen Nisthilfen.

Blutweiderich und die Blutweiderich-Sägehornbiene

Wärend die Glockenblumen-Sägehornbiene und die Glockenblumen-Scherenbiene, ein paar Pflanzen zur Auswahl hat, da es ja verschiedene Glockenblumen gibt, ist die Blutweiderich-Sägehornbiene (Melitta nigricans) auf nur eine einzige Pflanze, den gewöhnlichen Blutweiderich, angewiesen.

Sie sammelt nur in den Blutweiderich-Blüten Pollen und Nektar und ernährt sich auch als erwachsene Biene ausschließlich vom Blutweiderich. Das machen viele oligolektische Bienen nicht. Die sammeln zwar für den Nachwuchs nur Pollen von einer Pflanze(ngattung), aber sie selbst ernähren sich oft sehr flexibel.

Bei der Blutweiderich-Sägehornbiene ist das anders. Und sie muss für eine Brutkammer mit einem Ei ca. 200 Blüten besuchen und sie baut bis zu 15 Brutkammern. Das ist eine enorme Menge an Blüten, die sie benötigt, um nur ein Nest mit Nachwuchs zu versorgen.

Blutweiderich-Sägehornbiene
Blutweiderich-Sägehornbiene an Blutweiderich

Und weil diese Biene so viele Blutweiderich-Blüten braucht, kommt sie eben nur dort vor, wo auch größere Bestände von Blutweiderich sind. Diese nehmen leider in freier Natur immer mehr ab.

Sie brütet in offenen Bodenstellen und baut dort unterirdische Nester.

Die Hahnenfuß-Scherenbiene und der Hahnenfuß

Wie die Glockenblumen-Scherenbiene brütet auch die Hahnenfuß-Scherenbiene (Chelostoma florisomne) in vorhandenen Hohlräumen und künstlichen Nisthilfen. Und eigentlich sollte sie nicht besonders gefährdet sein, da Hahnenfuß ja überall vorkommt … sollte man meinen.
Leider gilt vor allem der kriechende Hahnenfuß vielen Gartenbesitzern als Unkraut schlechthin. Der wird bekämpft bis aufs letzte. Und damit auch der Lebensraum der wirklich hübschen Hahnenfuß-Scherenbiene.

Hahnenfuß-Scherenbiene (Chelostoma florisomne) am Totholz
Hahnenfuß-Scherenbiene (Chelostoma florisomne) am Totholz

Die Auen-Schenkelbiene

Die Schenkelbienen sammeln Pollen und das Öl (anstelle von Nektar) das Gilbweiderich erzeugt. Die Auen-Schenkelbiene (Macropis europaea) sammelt ausschließlich am gewöhnlichen Gilbweiderich und dem Straußblütigen Gilbweiderich. Mit dem Öl und einem Gemisch aus Pollen und Öl versorgen die Bienen ihren Nachwuchs in den Brutzellen.

Sie selbst leben von Pollen ganz verschiedener Blüten. Sie sind da nicht wählerisch.

Beobachten lässt sie sich sehr gut in Storchschnabelblüten, in der Nähe von Gilbweiderich. Bei mir vor allem im Sumpfstorchschnabel. Die Blüten schließen sich abends und die Bienen haken sich dort ein und lassen sich einschließen und verbringen dort die Nacht. Zum Teil auch mit mehreren Bienen in einer Blüte.

Mehrere Auenschenkelbienen in einer Blüte des Sumpfstorchschnabels.
Mehrere Auen-Schenkelbienen in einer Blüte des Sumpfstorchschnabels.

Man könnte jetzt meinen, ist ja super, Gilbweiderich, Goldfelberich habe ich im Garten … Nein, leider ist das nicht so einfach. In den Gartencentern gibt es vor allem den punktierten Gilbweiderich, ein Neophyt, der auch als potentiell invasiv gilt. Diesen meiden die Auen-Schenkelbienen aber, entweder hat er nicht genug Öl, oder dessen Zusammensetzung ist falsch. Insofern kann man soviel punktierten Gilbweiderich im Garten haben, wie man will, die Auenschenkelbienen brauchen den heimischen, Lysimachia vulgaris oder den straußblütigen Blutweiderich.

Eine Auen-Schenkelbiene am gewöhnlichen Gilbweiderich.
Eine Auen-Schenkelbiene am gewöhnlichen Gilbweiderich.

Die Auen-Schenkelbienen brüten im Boden und nutzen dazu ganz verschiedene Böden, auch Bewuchs mit Gras oder Moos ist kein Problem für sie.

Was braucht es noch, um bedrohte Wildbienen zu unterstützen?

Wie schon den Beschreibungen der Bienen zu entnehmen ist, ist das Brutverhalten der Bienen sehr unterschiedlich. Die Hohlraumbrüter benötigen eben Hohlräume, wie bspw. Löcher in Totholz in der passenden Größe. Gibt es die nicht, können die Bienen nicht brüten. Daher ist Totholz, sonnig, schattig, halbschattig mit entsprechenden Durchmessern wichtig.

Man kann die Bienen mit gebohrten Löchern in stehendem Totholz unterstützen. Besser ist aber, einfach zu warten, bis Käferlarven die entsprechenden Löcher selbst gebohrt haben, damit die Bienen einziehen können. Alternativ sind auch gute Nisthilfen übergangsweise sinnvoll, bis die Käferlöcher im Totholz da sind.

Das Problem von Nisthilfen ist, dass dort viele Röhren dicht an dicht sind und ein Befall durch Schimmel oder Parasiten oft mehrere Brutröhren betrifft. Der Vorteil ist aber, dass man die Röhren mit Draht vor Meisen und Spechten schützen kann, die gerne natürlich auch die Bruten von Bienen fressen.

Bambusröhrchen in Bienennisthilfe mit zahlreichen verschiedenen Verschlüssen.
Bambusröhrchen in Bienennisthilfe mit zahlreichen verschiedenen Verschlüssen.

Bei mir gibt es im Garten ganz viel Totholz aber eben auch Nisthilfen. Diese sind vor allem zum Beobachten toll.

Und dann gibt es ja die Bienen, die im Boden brüten. Sie benötigen fast immer offene Bodenstellen, also Bodenstellen ohne Bewuchs, in die sie Löcher graben können. Wenn Sie offene Flächen im Garten mulchen, ob mit Rindenmulch oder mit anderen Materialien, dann fehlen diese offenen Stellen. Gleiches gilt, wenn sie im Rasen Stellen die bspw. durch ständiges überlaufen wenig Bewuchs haben, immer wieder nachsähen oder so regelmäßig wässern, dass der Rasen alles überwuchert.

Möchten Sie Insekten helfen,

  • lassen Sie ihnen Platz
  • schütten Sie nicht jede Freifläche voll Mulch,
  • hacken Sie nicht überall, das zerstört die Bienennester,
  • pflanzen Sie heimische Blumen und Sträucher.
  • stellen Sie Totholz bereit